Dividende bei Volksbank Lingen sinkt auf vier Prozent

Vertreterversammlung

von Thomas Pertz

Ausgabe: Lingener Tagespost
Veröffentlicht am: 01.06.2017

Lingen. Die Volksbank Lingen hat im Geschäftsjahr 2016 trotz rückläufiger Zinsspannen eine gute Gesamtentwicklung verzeichnet. Die von sechs auf vier Prozent abgesenkte Dividende auf Geschäftsguthaben und eine geplante Anpassung der Kontoführungsgebühren im vierten Quartal beschreiben gleichwohl die Herausforderungen, vor der die Bank steht.

Einzelheiten erläuterten Aufsichtsratsvorsitzender Alfons Veer und die Bankvorstände Jürgen Hölscher und Carsten Schmees in der Vertreterversammlung am Dienstagabend in den Emslandhallen.

"Wir sind mit der Entwicklung und dem Ergebnis 2016 zufrieden", bilanzierte Hölscher und sprach dafür allen Beschäftigten der Bank seinen Dank für deren Arbeit aus. Die Bilanzsumme der Bank stieg von 913 Millionen im Jahr 2015 auf nunmehr 970 Millionen Euro an. Im Jubiläumsjahr 2018, wenn die Volksbank 125 Jahre alt wird, soll die Schwelle von einer Milliarde Euro überschritten werden. Positiv für die Bank gestaltet sich nach Angaben von Hölscher auch das Kundenwertvolumen, die Summe aus Krediten und Guthaben. "Die Summe des uns anvertrauten Geldes ist auf zwei Milliarden Euro gestiegen", freute sich Hölscher über das Vertrauen der Kunden. Weiter positiv sei auch die Mitgliederentwicklung der Bank. Mit inzwischen 20110 sei jeder zweite Kunde der Volksbank auch Mitglied.

Niedrigzinspolitik und Regulatorik

Ausführlich gingen Hölscher und Schmees aber auch auf die Schwierigkeiten ein, vor denen die Volksbank und andere Geldinstitute vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen. Die Profitabilität der Banken wird nach ihren Worten auch durch die weiter zunehmende Regulatorik mit ihren finanzrechtlichen Vorschriften und die Herausforderung der Digitalisierung eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund stellten die beiden Vorstände verschiedene Szenarien vor, wie sich das Betriebsergebnis der Bank bei niedrigem Zinsüberschuss weiter entwickeln wird. Fazit: Das Ergebnis kann einigermaßen gehalten werden, wenn weiteres Wachstum gelingt. Beim Kreditgeschäft werden 3,5 Prozent Zuwachs angepeilt. Der Verwaltungsaufwand - darin sind die Sach- und Personalkosten enthalten - soll in den nächsten fünf Jahren stabil bleiben. Dass die Volksbank Lingen ein immer größeres Rad drehen muss, um zu stabilen Ergebnissen zu kommen, verdeutlichte Hölscher an der Bilanzsumme. Prognostiziert sei ein Anstieg bis 2021 auf 1,1 Milliarden Euro, ein Plus von 348 Millionen Euro bezogen auf das Jahr 2011. "Diese Zuwächse erhöhen aber nicht das Betriebsergebnis", sagte Hölscher.

Eigenkapitalausstattung wird immer wichtiger

Der Eigenkapitalausstattung der Bank komme deshalb eine immer größere Bedeutung zu, um auch künftig handlungsfähig zu bleiben, unterstrich Schmees. In der Vergangenheit hatte es gereicht, wenn eine Bank acht Prozent ihrer Bilanzsumme als Eigenkapital nachweisen konnte. Dieser Anteil steigt bis zum Jahr 2019 auf 13 Prozent, für Großbanken sogar auf 16. Vor diesem Hintergrund ist auch die vom Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagene Absenkung der Dividende auf Geschäftsguthaben von sechs auf vier Prozent zu sehen. Dies macht bei einem erzielten Jahresüberschuss von 2,43 Millionen Euro rund 525000 Euro aus. Im vergangenen Jahr noch hatte die Vertreterversammlung beschlossen, aus dem damaligen Jahresüberschuss von 2,53 Millionen Euro 770700 Euro als sechsprozentige Dividende an die Mitglieder weiterzugeben. Die sechsprozentige Dividende galt seit dem Jahr 2002.

Keine Eingriffe ins Filialnetz

Der größere Teil des Jahresüberschusses 2016 fließt in Rücklagen. "Eine Eigenkapitalverzinsung von sechs Prozent lässt sich derzeit nicht mehr verdienen, vier Prozent sind realistisch und erreichbar", erläuterte Schmees. Die Mitglieder würden damit dazu beitragen, das Eigenkapital weiter zu stärken. "Die Stärkung des Eigenkapitals ist das A und O für die Zukunft", unterstrich auch Aufsichtsratsvorsitzender Veer. Bei der anschließenden Abstimmung wurde der Vorschlag zur Verwendung des Jahresüberschusses mit der Absenkung der Dividende bei einer Gegenstimme von insgesamt 192 Stimmberechtigten angenommen.

Trotz des Ertragsdrucks wird die Volksbank Lingen keine Eingriffe in die Infrastruktur, wie beim Filialnetz, vornehmen. "Wir gehen an das Filialnetz nicht dran, zu dieser Zusage stehen wir nach wie vor", sagte Vorstand Jürgen Hölscher in der Vertreterversammlung in den Emslandhallen.

Die Nähe zum Kunden bleibe trotz zunehmender Digitalisierung eine Maxime der Bank, ergänzte Schmees und verwies auf die getätigten Investitionen in den Filialen in Langen und Dalum hin.

Auf eine Frage aus der Vertreterversammlung, wann auch bei der Volksbank Lingen mit einer Anhebung der Kontoführungsgebühren zu rechnen sei, kündigte Hölscher eine Preisanpassung im vierten Quartal dieses Jahres an. Ein Kompensieren der Kosten für den Zahlungsverkehr durch Zinsgewinne wie in der Vergangenheit sei derzeit nicht möglich. Die Anpassung werde moderat ausfallen, ergänzte Aufsichtsratsvorsitzender Veer.

Keine Veränderungen gab es bei den Wahlen zum Aufsichtsrat. Einstimmig in ihren Ämtern bestätigt wurden Christine Wöste aus Dalum, Hermann Kuhlmann aus Brögbern, Bernhard Tieke aus Langen und Clemens Topper aus Gersten.