13 Tischlergesellen in Lingen losgesprochen

von Wilfried Roggendorf

Ausgabe: Lingener Tagespost
Veröffentlicht am: 01.08.2016

Lingen. Bei der Lossprechungsfeier für 13 Gesellen der Lingener Tischlerinnung hat Obermeister Martin Hülsing aus Listrup Handwerk und Handwerker aufgefordert, Flüchtlingen eine nicht nur berufliche Zukunft zu bieten.

"Sie wurden während ihrer Ausbildung von Eltern und Familie unterstützt", wandte sich Hülsing an die neuen Gesellen. "Doch wer unterstützt Flüchtlinge, die ohne Eltern und Angehörige zu uns kommen?", fragte er. "Wir müssen ihnen eine Heimat geben, nicht nur im Beruf, sondern auch durch unser ehrenamtliches Engagement", forderte der Obermeister der Lingener Tischlerinnung zum Schluss der Lossprechungsfeier in der Volksbank Lingen.

Arens: Für Handwerker gibt es keine App

Dort werden traditionell die Gesellenstücke der Tischler ausgestellt. Wolfgang Arens von der Volksbank machte auf den Mangel an Fachkräften im Handwerk aufmerksam. "So manches kann man online bestellen, aber für versierte Handwerker gibt es keine App," machte der Bänker seinen Respekt vor der Leistung der neuen Gesellen deutlich.

Kompetente Mitarbeiter sind schwer zu finden

Ähnlich äußerte sich der Lengericher Samtgemeindebürgermeister Martin Lühn, der die Festrede hielt. "Moderne Technik kann je nach Kassenlage der Unternehmen beschafft werden, aber kompetente Mitarbeiter, gute Gesellen, Meister und entsprechende Fachkräfte sind für die Unternehmen immer schwieriger zu finden." Lühn ließ erkennen, dass er als Verwaltungsmensch die Handwerker etwas beneidet: "Das Schöne an Ihrem Beruf ist, dass sich die Qualifikation nicht nur auf einem Blatt Papier widerspiegelt. Man kann die Fertigkeiten und das, was man selber erreicht hat, direkt vor Augen sehen", sagte er mit Blick auf die ausgestellten Gesellenstücke.

Korte: Träume, Wünsche, Ideale nicht vergessen

Jürgen Korte, Leiter der BBS Lingen, erklärte: "Auch im Tischlerhandwerk geht es Richtung ‚smart factory‘ und Digitalisierung." Die jungen Gesellen müssten sich daher im Laufe ihres Berufslebens weiter entwickeln. Dabei sollten sie ihren kritischen Sinn für Realitäten bewahren, aber eines trotzdem nicht vergessen. "Die Welt besteht nicht nur aus Noten und Zeugnissen, sondern auch aus Träumen, Wünschen und Idealen." Und diese seien der Motor für den weiteren Lebensweg.

Laien und Experten einer Meinung

Dass Laien- und Expertenmeinung nicht voneinander abweichen müssen, machten die Entscheidung der Fachjury im Wettbewerb "Die gute Form" und die Volksbank-Kunden, die über den Publikumspreis für das beste Gesellenstück abgestimmt hatten, deutlich: Der in filigraner Form gefertigte massive Eichentisch von Johannes Thale belegte jeweils den ersten Platz. Auf den weiteren Plätzen folgten, ebenfalls nach Meinung von Fach- und Laienjury, die Gesellenstücke von Sebastian Pawelleck und Jochen Kimmer.

 

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