Volksbank Lingen: gutes Jahr in "herausforderndem Umfeld"

Von Rolf Masselink
Ausgabe: Grafschafter Nachrichten
Veröffentlicht am: 21.02.2021

Vorstandsmitglieder Carsten Schmees und Jürgen Hölscher. Foto: Foto Klimmer

Lingen. Die Volksbank Lingen hat im Coronajahr 2020 ein "insgesamt sehr gutes"
Geschäftsergebnis erzielt und ihre Bilanzsumme um knapp zehn Prozent gesteigert. Ihr
Strategiemix aus Wachstum und Effizienzsteigerungen habe funktioniert, berichten die
Bankvorstände Jürgen Hölscher und Carsten Schmees. 2022 will die Lingener
Genossenschaftsbank mit der Emsländischen Volksbank Meppen fusionieren.

Die Vorstände der Lingener Bank stellen jetzt vor Journalisten erste Eckdaten des
Jahresabschlusses 2020 vor, der am 14. Juli von der Vertreterversammlung formal beschlossen werden soll. Demnach hat die Volksbank Lingen ihr Einlagengeschäft um rund 75 Millionen Euro auf etwa 838 Millionen Euro gesteigert. Das entspricht einem Wachstum von 9,8 Prozent. Zunehmende Bedeutung gewinnt angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen das Anlagengeschäft mit Wertpapieren. Es legte um 3,5 Prozent auf 176 Millionen Euro zu. "In den vergangenen fünf Jahren haben unsere Kunden mit den verschiedenen Wertpapieranlagen eine Rendite von jeweils drei Prozent erzielt", sagt Bankvorstand Jürgen Hölscher. Die Bank könne nur jedem Kunden raten, diese Anlageformen in Erwägung zu ziehen.

Das Kreditgeschäft der Volksbank Lingen wuchs um 53 Millionen Euro (6,8 Prozent) auf einen
Gesamtbestand von 837 Millionen Euro. Somit stieg das betreute Kundenwertvolumen einschließlich der außerbilanziellen Geschäfte um 5,2 Prozent auf 2,512 Milliarden Euro und
übersprang damit erstmals die Grenze von 2,5 Milliarden Euro.

Erfreut ist die Bank auch über den Anstieg ihrer Kundenzahlen. Die Zahl der Kunden stieg um 500 auf gut 46.000, die Zahl der Kundenkonten um 1000 auf 85.000. 20.694 Kunden sind zugleich Mitglieder der Genossenschaft und damit Anteilseigner der Bank.

Hölscher und Schmees bewerten das Geschäftsumfeld der Bank weiterhin als "herausfordernd". Niedrigzinsen, zunehmende Regulatorik, wachsende Eigenkapitalanforderungen und Digitalisierung stellten weiter große Aufgaben.

Erstmals wird die Volksbank Lingen in diesem Jahr ihren Kunden für ausgewählte Einlagen auch Negativzinsen berechnen. Dabei hat die Bank vor allem hohe Anlagesummen auf
Tagesgeldkonten im Visier. Ziel sei es, diese Kunden auf andere Anlagemöglichkeiten hinzuweisen - oder "marktgerechte", also negative Zinsen zu erheben. Das lasse sich "zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit nicht länger vermeiden".

Für 2021 und die Folgejahre erwartet die Bank weiterhin sehr niedrige Zinsen und bei
entsprechend dünner Zinsmarge rückläufige Ergebnisse. Deshalb kündigt Jürgen Hölscher an: "Wir werden auch über Preisanpassungen bei den Kontomodellen sprechen müssen."

Die Coronakrise hat bei der Volksbank Lingen bisher nur geringe Auswirkungen gezeigt. "Wir
sehen, dass die staatlichen Beihilfen gegriffen haben", so Carsten Schmees. Die Bank hat aus den Hilfsprogrammen der KfW rund vier Millionen Euro Überbrückungskredite ausgezahlt. Nur bei rund 70 Kunden hätten bisher Ratenaussetzungen vereinbart werden müssen. Dreiviertel dieser Fälle und 95 Prozent des Gesamtvolumens betrafen gewerbliche Kreditkunden. Mit andauerndem Lockdown erwartet die Bank jedoch bei Kunden vermehrt Liquiditätsprobleme. Außerdem rechnet die Bank mit einem Ansteigen der Firmeninsolvenzen. Zum Auffangen möglicher Kreditausfälle hat die Volksbank Reserven gebildet.

Die 15 Filialen der Volksbank Lingen, darunter die Filialen in Wietmarschen und in Lohne, waren während der Coronakrise durchgehend geöffnet. Kundenfrequenz und Termintreue seien während der Krise sogar gestiegen. Jürgen Hölscher: "Wir spüren ein hohes Interesse an persönlicher Beratung und sehen uns in unserer Strategie als Filial- und Beraterbank mit sehr guten digitalen Angeboten voll und ganz bestätigt."

Den geprüften und testierten Jahresabschluss wird die Bank am 14. Juli ihren gewählten
Mitgliedervertretern zur Beschlussfassung vorlegen. Der Vorstand empfiehlt wie im Vorjahr die Ausschüttung einer vierprozentigen Dividende. Die Vertreterversammlung soll nach Möglichkeit als Präsenzveranstaltung abgehalten werden, und zwar erstmals in der Emsland-Arena.

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