Fusion der Volksbanken Lingen und Meppen wird verschoben

Ein Jahr später

Lingener Tagespost
Artikel vom 03.12.2020

von Thomas Pertz

Sehen dem Fusionsprozess optimistisch entgegen (von links): Klaus Krömer (Emsländische Volksbank), Jürgen Hölscher (Volksbank Lingen), Alfons Veer, Aufsichtsratsvorsitzender in Lingen, Gerd Partmann, der diese Aufgabe nach der Fusion übernehmen soll, Carsten Schmees (Volksbank Lingen) und Frank Thiel (EVB).

Lingen. Eigentlich wollten die Volksbank Lingen und die Emsländische Volksbank in Meppen 2021 fusionieren. Nun wird das Vorhaben um ein Jahr verschoben, obwohl es inzwischen deutlichen Rückenwind auch aus Meppen für die Verschmelzung gibt. Die Gründe erläuterten die Vorstände und Aufsichtsratsvorsitzenden am Donnerstag im Gespräch mit der Redaktion.

Der Rückenwind für die Fusion basiert auf einer schriftlichen Befragung der Mitgliedervertreter der Emsländischen Volksbank (EVB). Von den 262 Mitgliedern hatten sich 90 Prozent an der Befragung beteiligt und davon 80 Prozent eine Fusion der beiden Genossenschaftsbanken befürwortet. Die Vertreter der beiden Banken sprachen von einem eindrucksvollen Votum für die Verschmelzung, durch die die größte Genossenschaftsbank in Weser-Ems mit den beiden Hauptstandorten in Meppen und Lingen entsteht.

Unmut über Sitz

Juristischer Sitz ist einer Vereinbarung der Vorstände und Aufsichtsräte beider Banken zufolge Lingen - ein Umstand, der auf der Vertreterversammlung in Meppen vor einigen Wochen für Unmut gesorgt hatte. Damals waren nur 111 von 262 möglichen Vertretern anwesend. Ziel der Umfrage sei deshalb gewesen, ein fundiertes Meinungsbild zu erfragen, sagte Gerd Partmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Emsländischen Volksbank.

Verschiebung um ein Jahr

Eine Abstimmung über die Fusion sollte im Frühjahr 2021 stattfinden. Bei einem Ja mit einer Dreiviertelmehrheit wäre diese dann rückwirkend zum 1. Januar 2021 in Kraft treten. Warum also eine Verschiebung um ein Jahr, obwohl die schriftliche Mitgliederbefragung in Meppen ein deutliches Ergebnis "Pro Fusion" gezeigt hat? Der Grund ist ein juristischer, wie Partmann, Rechtsanwalt aus Twist, erläuterte.

"Bei der Wahl der Vertreterversammlung der EVB im Jahr 2019 haben sich formale Fehler eingeschlichen", sagte der Jurist. Die proportionale Verteilung der Vertreterinnen und Vertreter nach Regionen sei nicht ganz genau eingehalten worden . Es sei zwar "im besten genossenschaftlichen Sinn" gehandelt worden .

Gleichwohl sei die Wahl nicht juristisch korrekt verlaufen, erläuterte Klaus Krömer vom Vorstand der EVB. "Dies müssen wir korrigieren, denn wir dürfen da rechtlich nicht angreifbar sein", sagte Alfons Veer, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank in Lingen.

Neuwahlen 2021

Deshalb wird es im nächsten Jahr zunächst Neuwahlen der Vertreterversammlung der Emsländischen Volksbank in Meppen geben müssen. An dessen künftiger Zusammensetzung wird sich nach Einschätzung der beiden Vorstände und Aufsichtsräte kaum etwas ändern. Sie werde nahezu identisch sein mit der aktuellen. Krömer und sein Meppener Vorstandskollege Frank Thiel sowie die Lingener Vorstände Jürgen Hölscher und Carsten Schmees bedauerten die Verzögerung gleichwohl. "Wir waren start klar ", sagte Schmees.

Es komme aber, so Schmees weiter, auch darauf an, möglichst alle von der Richtigkeit des Schrittes zu überzeugen. "80 Prozent Zustimmung in der schriftlichen Befragung bedeuten enormen Rückenwind, aber wir wollen auch die fehlenden 20 Prozent erreichen" . Das sei jedoch wegen der Corona-Pandemie kaum möglich. Die persönlichen Gespräche fänden nicht statt und Videotreffen seien kein Ersatz. "Uns fehlen die Mitgliederversammlungen, um die Kritiker zu überzeugen" . Vor diesem Hintergrund sei die Verschiebung der geplanten Fusion auf das Jahr 2022, wenn sich über den Einsatz eines Impfstoffes auch das Pandemiegeschehen beruhigt habe, auch ein Vorteil.

Jedes Haus mit Fusionsgeschichte

"Jedes Haus hat ja auch seine eigene Fusionsgeschichte", sagte EVB-Vorstand Thiel mit Hinweis auf die Fusion der Emsländischen Volksbank mit der in Dörpen im Jahr 2000 und in Aschendorf 2004. "Wenn die Kritiker recht hätten, müsste es diesen Banken anschließend schlechter gegangen sein", sagte Thiel.

Tatsächlich hätten sie aber von der Fusion profitiert. ,,Wir sind überzeugt, als gemeinsame Emsländische Volksbank wegweisend und noch zukunftsfähiger aufgestellt zu sein", betonten Hölscher und Schmees.

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