Volksbanken und Sparkassen in der Region unter Druck

EU-Politiker in Lingen

von Thomas Pertz

Ausgabe: Lingener Tagespost
Veröffentlicht am: 28.08.2016

Über aktuelle Bankthemen sprachen die EU-Politiker Burkhard Balz und Jens Gieseke (zweiter und dritter von links) bei der Volksbank Lingen mit Vertretern der Vorstände der Volksbanken und Sparkassen in der Region Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Links Jürgen Hölscher, rechts Carsten Schmees, beide vom Vorstand der Volksbank Lingen. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Vorstände der Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen im Emsland, der Grafschaft Bentheim sowie Stadt und Landkreis Osnabrück und weitere Verbandsvertreter haben am Freitagabend bei einem Gespräch mit den Europaabgeordneten Jens Gieseke und Burkhard Balz (beide CDU) in Lingen ihre Sorgen über die europäische Finanzpolitik ausgedrückt.

Im Mittelpunkt des Treffens standen die Themen Regulierung und Bankenaufsicht sowie die Niedrig- bzw. Negativzinspolitik und das Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Sorge der Regionalbanker vor Ort: Ihr Geschäftsmodell gerät enorm unter Druck, da sich mit den Einlagen der Kunden nicht mehr zu akzeptablen Bedingungen wirtschaften lässt.

"Die ersten Folgen sind bereits eingetreten: Filialschließungen und Aufgabe von Geschäftsfeldern, indem zum Beispiel eine Wertpapierberatung nicht mehr angeboten werden", sagte Jürgen Hölscher vom Vorstand der Volksbank Lingen bei der Begrüßung in deren Räumen. Wenn die größten Wettbewerber – Sparkassen und Volksbanken – gemeinsam an einem Tisch säßen und mit einer Stimme die drohenden Folgen der Regulatorik anmahnten, sei die Not groß, sagte Hölscher mit Blick auf die beiden Europaabgeordneten.

Der Sögeler Jens Gieseke, seit 2014 für die CDU Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament, hatte mit Burkhard Balz einen ausgewiesenen Fachmann zum Themenkomplex eingeladen. Der gelernte Banker ist seit 2009 im EU-Parlament und dort Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung.

"Entsetzt" über neue Richtlinie

Der Niedersachse äußerte sich "entsetzt" darüber, dass die neue EU-Kommission unter Präsident Jean-Claude Juncker "mit der Brechstange" eine neue Einlagensicherungsrichtlinie durchsetzen wolle. Erst einmal müsse jedes Land aus sich selbst heraus funktionieren und Sicherungssysteme schaffen, verwies Balz auf entsprechende Regelungen in Deutschland. Die Sorgen regionaler Banker gehen dahin, dass die gut gefüllten Töpfe hierzulande "vergemeinschaftet" werden, um die Risiken anderer europäischer Banken abzudecken. "Ich sehe den Kampf beim Thema Einlagensicherung nicht als verloren an und bin da guten Mutes", meinte Balz.

Keine Änderungen erwartet er allerdings in den nächsten Jahren bei der Geld- und Zinspolitik der EZB. Die sei gescheitert, resümierte der Europaabgeordnete. Gleichwohl glaubt Balz nicht an einen Kurswechsel. "Für Sie bedeutet das, dass die schweren Zeiten bleiben", sagte er an die Adresse der Vorstände von Volksbanken und Sparkassen.

"Wir gucken durch die deutsche Brille; während wir die Gewinner in der Eurozone sind, gibt es 20 Verlierer", machte ein Vorstand in der Runde auf unterschiedliche Interessenlagen aufmerksam. Deshalb sei eine politische Lösung auch so schwierig, sagte Balz. Auf Dauer könne es so nicht weitergehen, beschrieb er am Ende des Meinungsaustausches sein Grundgefühl. Das halte ihn aber nicht davon ab, sich für gute Lösungen einzusetzen. "Europa ist nicht die Ideallösung. Aber es lohnt sich, für einen Kompromiss zu kämpfen", unterstrich Eu-Kollege Gieseke.