Interview mit Hubert Tholen

Was Sparer und Anleger in der Corona-Krise beachten sollten

Die Ausbreitung des Coronavirus hinterlässt immer tiefere Spuren in der Wirtschaft. Die Börsen befinden sich wegen der Corona-Pandemie seit Wochen im Krisenmodus. Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen hat weltweit die Anleger in Sorge versetzt und aus den Aktienmärkten getrieben. Historische Kursverluste durch Panikverkäufe waren die Folge. Nun stellen sich für Anleger viele Fragen. Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Haben wir schon wieder Einstiegskurse? Welche Branchen sind die Gewinner und welche Branchen sind die Verlierer der Krise?

Frage: Ist jetzt tatsächlich der richtige Zeitpunkt, um an der Börse einzusteigen?

Ob wir jetzt den tiefsten Punkt gesehen haben, kann keiner sagen. Grundsätzlich gilt aber, dass wir heute 30 - 40% günstiger in den Markt einsteigen, als noch am Anfang des Jahres. Ich würde aber – so wie ich es unseren Kunden seit über 25 Jahren empfehle - Privatanlegern davon abraten in einzelne Aktien, einzelne Branchen und einzelne Länder zu investieren. Wer kann heute schon sagen, welche Branche von der jetzigen Krise profitieren wird? Eine kluge Entscheidung ist ein global investierender Fonds. Je nach Risikobereitschaft entscheide ich mich für einen reinen Aktienfonds oder einen Mischfonds, der in alle Anlageklassen investieren kann. Dabei sollte man in heutiger Zeit auch über das Thema nachhaltige Anlage nachdenken. Um die Frage noch einmal aufzugreifen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt wäre: Ob ein Zeitpunkt optimal ist, lässt sich immer nur im Nachgang sagen. Deshalb empfehle ich, jetzt mit einem einmaligen Betrag zu investieren und über monatliches Anlegen den Betrag auf den gewünschten Anlagebetrag "aufzufüllen".

Frage: Viele Ökonomen gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr in eine Rezession rutschen. Müssen wir uns Sorgen um unser Depot machen?

Wie weit die Aktienkurse fallen und wann eine Erholung einsetzt, kann niemand vorhersagen. Sicher ist, dass die Börse nicht erst reagiert, wenn die wirtschaftlichen Daten bekannt gegeben werden, sondern den Trend schon vorwegnimmt. Man kann also davon ausgehen, dass der merkliche Rückgang der Wirtschaftsleistung, der für das Jahr 2020 erwartet wird, auch schon zu einem guten Teil in den Börsenkursen eingepreist ist.

Frage: Was spricht denn für eine Geldanlage in Aktien?

Drei Gründe sprechen grundsätzlich für aktienbasierte Anlagen: ihre langfristige Ertragsstärke, ihr Charakter als Sachwert – beispielsweise Industrieanlagen oder Patente – und ihre hohe Liquidität, also ihre tägliche Verfügbarkeit. Aktionäre sind Miteigentümer an Unternehmen, haben ein Mitspracherecht und einen Anspruch auf Teile des Gewinns, der in Form einer Dividende ausgezahlt wird. Außerdem können sie langfristig von Kursgewinnen profitieren. Was man jedoch durchaus auch mit Hinblick auf viele bereits überwundene Krisen sagen kann: Auf lange Sicht gibt es keine rentablere Asset-Klasse als Aktien. Risiken wollen wir an dieser Stelle auch nicht verschweigen: Aktien können mitunter deutlich an Wert verlieren, die Dividenden können ausfallen.

Frage: Sie sprechen Risiken an, wie kann man diese mindern?

Ja. Ein großer Teil dieser Risiken lässt sich mit Investmentfonds mindern. Durch die breite Streuung können sie die Ertragsmöglichkeiten erhöhen und gleichzeitig die Risiken reduzieren. Es lohnt sich, diese Themen einmal mit Ihrem persönlichen Ansprechpartner in der Bank zu beleuchten.

Hubert Tholen ist Leiter des Vermögensmanagement der Volksbank Lingen eG. Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Vermögensberatung ist er verantwortlich für die ganzheitliche Beratung unserer vermögenden Mitglieder und Kunden.