Interview mit Hubert Tholen

Wie kann man in dieser Zeit bei der Geldanlagen noch Erträge finden?

Mit Tagesgeldern und anderen verzinsten Anlageformen Geld anzulegen bringt Sparern schon lange kaum noch Erträge. Viele Menschen erwarten sogar, dass sie für Geldanlagen irgendwann gar keine Zinsen mehr erhalten und möglicherweise sogar etwas dafür zahlen müssen. Wann kommen wieder bessere Zeiten für Anleger?

Dass Anleger für ihr Geld so gut wie keine Zinserträge mehr erhalten, schien in der Vergangenheit undenkbar. Doch heute ist das Realität. Zwei von drei deutschen Sparern (63 Prozent) halten es sogar für möglich, dass sie für eine Anlage auf dem Tagesgeldkonto künftig etwas bezahlen müssen. Das ist ein Ergebnis aus dem aktuellen Anlegerbarometer von Union Investment, einer repräsentativen Befragung deutscher Finanzentscheider in privaten Haushalten. Ich glaube nicht, dass wir auf absehbare Zeit in der Breite Negativzinsen für unsere Privatkunden sehen. Dennoch stecken wir fest im Niedrigzinsumfeld, und das kann noch einige Jahre so weitergehen.

Muss der Anleger sich in seinem Anlageverhalten ändern?

Wenn Anleger in dieser Situation weiter auf die altvertrauten Instrumente setzen, kommt ihr Vermögen nicht voran. Diese Erkenntnis rückt anscheinend immer stärker in das Bewusstsein der Menschen vor, denn das lange Zeit so beliebte Tagesgeld verliert weiter an Bedeutung. Nur noch 19 Prozent der Befragten halten diese Anlageform derzeit für attraktiv. Dies ist ein historischer Tiefstand für eine solche Form der Geldanlage. Allerdings entscheiden sich nach wie vor zu wenige Menschen für eine renditestärkere Anlage wie Aktien. Hier scheint es immer noch tief sitzende Vorbehalte zu geben.

Was spricht denn für eine Geldanlage in Aktien?

Drei Gründe sprechen grundsätzlich für aktienbasierte Anlagen: ihre langfristige Ertragsstärke, ihr Charakter als Sachwerte – beispielsweise Industrieanlagen oder Patente – und ihre hohe Liquidität, also ihre tägliche Verfügbarkeit. Auf lange Sicht gelten sie als die ertragreichste Anlageform. Aktionäre sind Miteigentümer an Unternehmen, haben ein Mitspracherecht und einen Anspruch auf Teile des Gewinns, der in Form einer Dividende ausgezahlt wird. Außerdem können sie langfristig von Kursgewinnen profitieren. Risiken dürften aber auch nicht verschwiegen werden: Aktien können mitunter deutlich an Wert verlieren, die Dividenden können ausfallen.

Es ist richtig, neben den Chancen auch die Risiken anzusprechen. Kann man diese Risiken mindern?

Ein großer Teil dieser Risiken ließe sich mindern, indem man auf Investmentfonds setze. Sie verteilen das eingezahlte Geld breit gestreut auf eine Vielzahl von Wertpapieren. So können sie die Ertragsmöglichkeiten erhöhen und gleichzeitig die Risiken reduzieren. Doch es muss ja nicht gleich eine reine Aktienanlage sein. Viele Investmentfonds kombinierten verschiedene Anlageklassen wie Aktien, verzinsliche Wertpapiere, Immobilien und Rohstoffe. Darüber investierten sie in unterschiedliche Länder und Regionen oder nach verschiedenen Anlagekriterien und –arten. Dadurch läßt sich eine Vermögensstruktur schaffen, die ganz den eigenen Bedürfnissen entspricht – und gleichzeitig für ein Mehr an Rendite sorgen kann. Es lohnt sich, diese Themen einmal mit ihrem persönlichen Ansprechpartner in der Bank zu beleuchten.

Hubert Tholen ist Leiter des Vermögensmanagement der Volksbank Lingen eG. Mit über 22 Jahren Erfahrung in der Vermögensberatung ist er verantwortlich für die ganzheitliche Beratung unserer vermögenden Mitglieder und Kunden.